30 Tage: Pen & Paper statt B&B-Overkill

Vor geraumer Zeit stellte ich die Fragen, nach dem Fluch oder Segen der Datenflut, die uns Rollenspielern das Internet gebracht hat. Die Resonanz war auch erstaunlich hoch, neben einer Diskussion gabe es sogar Blogs und Podcasts, die das Thema aufgenommen haben.

Generell halte ich es für gut, dass das Internet jedem die Chance gibt, seine Sachen zu publizieren, kostenlos oder gegen kleines oder großes Geld, je nach Geschmack. Aber gerade gestern habe ich im Chat gemerkt, dass ich mich mit nichts mehr richtig beschäftigten kann. Zwar lade ich alles runter, was mir in die Quere kommt, ziehe vieles auf den Reader, aber intensiv lese ich fast nichts. Oftmals habe ich schon gar keine Lust mehr dazu, sondern empfinde es als Belastung. In den letzten Monaten habe ich glaube nur die Werke vollständig gelesen, die ich auch rezensiert habe, ergo: Battletech (eine reine Szenariensammlung), Hero Kids (nur wenige Seiten stark) und Kuro, welches mich als einziges in seinen Bann gezogen hat.

Zeit für eine Pause

Nach 30 Jahren, habe ich mir vorgenommen, mal für 30 Tage zurück in die Zeit der Print-Rollenspiele zurückzukehren. Die guten 80er / 90er Jahre, wo man Werke noch als Hardcover besaß, diese waren schweineteuer und fraßen Regelplatz. Das Experiment soll man 30 Tage lang zeigen, wie es sein kann, wenn man nicht versucht jede Diskussion verstehen zu wollen, jede Produktankündigung zu verfolgen oder oder oder.

In Konsequenz, werde ich wohl einiges bei Facebook und Google-Plus umorganisieren müssen. Bei erstem wohl in Form von Listen und bei Letzterem ist das zum Glück recht einfach.

Ich sehe das garnicht mal als groß artige Rückbesinnung, denn nach meiner Meinung gibt es kein Zurück und sollte es auch nicht geben. Sondern einfach mal Ruhe einkehren lassen. Keine Communites, keine Foren, keine News. (Dass Matt Cutts gerade etwas ähnliches macht, ist Zufall…).

In 30 Tagen werde ich dann mal berichten, wie es war und ob wirklich was gefehlt hat. Ich denke ich nutze die Zeit dafür, mich intensiver mit Schmelzklebstoffen zu beschäftigen, Bogen zu schiessen (was derzeit etwas überlagert wird) und meine Urlaub zu geniessen. Und den Blog könnte ich endlich mal wieder mit Leben füllen, nach dem dieser ziemlich zu Grunde gerichtet wurde.

Anmerkung: B&B-Overkill, soll Bits & Bytes heissen 🙂

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/32350857@N03/5062542669/
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10 Kommentare zu “30 Tage: Pen & Paper statt B&B-Overkill”

  1. Kann ich gut nachvollziehen. Foren, Blogs (immer mehr, immer neue, immer längere…), Streams auf FB und G+ und Twitter – das ist echt Stress. Mir wird es teilweise auch zu viel, aber als Autor muss ich dran bleiben und mich und meine Spiele auch präsent halten. Freu mich aber auch schon auf den Internet-abstinenten Urlaub. Wünsche gute Erholung!

  2. Mit einem ganz verwandten Thema hab ich mich schon vor längerem mal auseinandergesetzt: Alles wird zur Sofortzeit, wir sind immer online, nicht nur mit unseren Computern, sondern auch unseren Gehirnen, und erreichen am Ende vor allem, dass wir nur noch kleine Info-Häppchen verdauen können. Technisch gesehen, weil das Multitasking unserer Köpfe den Context-Switch nicht mitmacht und wir keine Idle-Time mehr haben.
    Die langen Details dann hier: http://zwei.drni.de/archives/1232-Willkommen-in-der-Sofortzeit.html

  3. Toller Beitrag DrNI. So ganz aus dem Technologiezeitalter will ich mich ja gar nicht verabschieden, aber einfach mal etwas Fahrt rausnehmen. Das hab ich bei Bogenschiessen auch gemacht. Wenn du merkst, dass nur noch theoretisiert, anstatt etwas zu machen, dann läuft was falsch.

    @AoD: Ich glaube der Ansatz: „Ich muss ja, weil meine Leser das erwarten“ ist so nicht richtig. Ich selber hab auch diverse Erweiterungen geschrieben und wenn ich nicht online bin, sind die nicht weniger gut oder weniger nutzbar. Fragen klärt die Community auch ohne uns Schreibsklaven. Ich hoffe sogar einen positiven Effekt zu erhalten, in dem man mal wieder seinen eigenen Kopf anstrengt und nicht immer nur auf der Suche nach den tollen Ideen anderer ist.
    Ich glaube, dass ist ja einer der Gründe warum wir soviel konsumieren, weil wir auch der Suche nach der genialen Idee sind. Dem neuen, noch nicht angedachten. Dabei ist es ja schon genau in dem Moment eigentlich schon nicht mehr neu.

  4. Sehr gute Idee. Bin auch auf das Ergebnis gespannt.
    Es stimmt schon, es ist nicht mehr möglich, allen Beiträgen, denen man auch nur halbwegs Interesse zollt, zu folgen. Die Texte werden immer länger, die Inhalte komplexer.
    Ein Phase der Ruhe und Besinnung mag den Blick schärfen für das konsequente, wichtige.

  5. Viel Erfolg! Ich bin gespannt, wie die Erfahrung für dich wird.

    Ich habe mich kurz nach der Geburt meiner Tochter aus den meisten Diskussionen zurück gezogen und lese nur noch mehr oder weniger zufällig mit (wenn mich dann und wann was erreicht). Irgendwie fehlt mir dadurch was, aber wenn ich noch alles lesen würde, hätte ich keine Chance, an 1w6 weiterzuschreiben. Ich könnte zwar noch ein paar spannende Beiträge schreiben, aber Texte, die mir wirklich wichtig sind, könnte ich nicht mehr weitermachen.

    Wobei ich aktuell immernoch überlastet bin. Ich habe Schwierigkeiten, meine Runden richtig zu planen, und versuche heute Abend noch Technophob zu lesen, um auf die Hangout-Runde von PiHalbe morgen vorbereitet zu sein. Was ich schon vor Monaten machen wollte…

  6. „Talk less, game more“ ist etwas, was ich seit Monaten predige. Ich lese auch nur noch einen Bruchteil der Diskussionen. Sind eh immer die gleichen Tro.. äh..Mitmenschen, die da was schreiben und deren Meinung kenne ich, bevor ich sie gelesen habe.

  7. @BassBlogger: Du hast ganz recht – man denkt gern drüber nach, und macht dann nix. Ich denke auch nicht, dass man sich wie der Typ in meinem Blog-Post ganz verabschieden sollte. Die neuen Technologien haben ja auch zahlreiche Vorteile. Nur ist es eben so, wie ich dort auch schreibe: Die Technologie ist unserem Umgang mit ihr voraus.

    Ich habe mich z.B. bewusst entschieden, kein Smartphone zu kaufen, als letztens mein altes Handy den Geist aufgegeben hat. Das neue Handy lasse ich in der Mittagspause im Büro. Ich benutze seit einiger Zeit wieder eine Uhr (mit Zeigern 🙂 ), um nicht immer auf’s Telefon zu glotzen. Das sind natürlich erst mal kleine Details, oft aber schon mit einer größeren Wirkung verbunden. Ich benutze die Technik, wenn ich es möchte – und die Technik benutzt nicht mehr mich.

    Natürlich kann das jeder machen, wie er will. Oder eben auch nicht, und deswegen finde ich einen Diskurs darüber nützlich: Facebook, Smartphone & Co ja immer mit Kommunikation zu tun haben, etablieren sich hier gesellschaftliche Standards, die wir vielleicht nochmal überdenken sollten.

  8. Ich denke, wir sollten was Facebook, G+ & co angeht, immer die dadurch entstehenden Abhängigkeiten und Kontrollmöglichkeiten im Auge behalten.

    Wenn all deine Freunde auf Facebook sind, verlierst du etwas den Kontakt wenn du nicht da bist. Wenn du aber selbst auch auf Facebook gehst, erzeugst du Druck auf deine Freunde, auch auf Facebook zu kommen. Ein Teil deines Lebens wird von Facebook abhängig.

    Gleichzeitig ist Facebook eine Privatfirma, die volle Kontrolle über alles hat, was ihre Nutzer machen. Wenn du deren Kontrolle nicht hast, bleibt dir nur die Möglichkeit, ihre Dienste aufzugeben – und damit einen Teil deines Privatlebens. Bei G+ sieht es ähnlich aus.

    Es gibt allerdings Alternativen dazu. Ich habe zum Beispiel letztens eine eigene Status.net-Seite gestartet. Status.net funktioniert wie Twitter, hat aber einen zentralen Unterschied: Wir sind nicht von einem zentralen Server abhängig, weil die Nachrichten zwischen Servern ausgetauscht werden können. Wenn also ein Server anfängt, Dinge zu tun, die ich nicht will, kann ich einfach auf einen anderen Server wechseln, gleichzeitig aber mit meinen Freunden auf dem einen Server in Kontakt bleiben. Insofern ist es ähnlich wie E-Mail. Läuft aber auf jedem Standard-Server mit PHP und MySQL → http://sn.1w6.org

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