CD-Kritik: Lena Meyer-Landrut » My Cassette Player

Nach ihrem grandiosen Sieg beim ESC (Eurovision Songcontest, nicht Escape!) ist auch das Debüt-Album “My Cassette Player” von “unserer” Lena im CD-Regal meiner Familie gelandet und so will ich ein paar Worte dazusagen.
Natürlich geht man mit bestimmten Erwartungen an die Scheibe, vorallem wenn man sich vor den ESC nun so gar nicht mit dem Lena-Hype auseinandergesetzt hat. Fangen wir einfach vor an: Das erster Lied ist natürlich Satellite. Dazu muss man auch nix sagen, denn das wurde zur genüge. Im Gesamtkontext muss man aber erwähnen, dass diese Uptempo-Nummer auf dem Album wie ein Fremdkörper daher kommt und nicht zum Rest passt, da ist Enttäuschung schnell vorprogrammiert.

Die folgenden zwölf Nummern sind ausnahmslos im leichtgängigen Funk-Pop-Jazz-Genre gehalten. So muss es sich anhören, wenn man [[Norah Jones]] oder [[Eva Cassidy]] mit einem Best-of-Stefan-Raab kreuzt. Das ist noch nicht mal abwertend gemeint, aber bei diversen Stücken meint man immer wieder bekannte Raab-Songs rauszuhören. Beispielsweise #4 “Like to bang…” wo man immer auf das “Hier kommt die Maus” wartet. Aber auch in #13 “Wonderful Dreaming” scheint sich die Gitarren-Riffs bei “Wir kiffen” ausgeliehen zu haben und zu guter Letzt hätte #6 “Caterpillar in the Rain” auch das Remake von Max Mutzkes “Can’t Wait Until Tonight” sein können, mit diesen synkopisch akzentuierten Akkordverläufen.

Für das ganze Album gilt, natürlich was für den ESC-Auftritt auch schon galt. Das gesungene Englisch entspricht einem mir unbekannten Phantasie-Dialekt, was nur schlimm ist, wenn man wirklich hinhört, was aber kaum passieren wird. Musterbeispiel dafür Lied #9 “Bee“, soviel Endsilben kann man gar nicht verschlucken. Hier wurde das “lamb” (lam´) und “bombing” (bom´ing) Konzept globalisiert.

Wirklich auffällen können eigentlich nur zwei Stück: #5 “My Same” mit seinem leicht nervigen “Ei Ei”-Intro stellt sich doch als grundsolider Jazz-Standard heraus und #11 “Mr.Curiosity“, wo Lena mit sehr viel Gefühl singt, auch wenn ich etwas mehr Schwermut oder Traurigkeit bei dem Stück erwartet hätte.

Ist das Album nun schlecht? Nein, wirklich schlecht ist es nicht, aber leider auch nichts besonderes. Man kann die Scheibe gut einlegen und die Musik gleitet fast übergangslos von einem ins andere Stück über. Off-beat-Riffs und Flanger-Bässe, sowie teils primitive Drum-Loops, das muss das Geheimrezept eines Stefan Raabs sein. Und leider beschreitet “My Cassette Player” von Lena Meyer-Landrut hier keine neuen Wege, sondern versucht sich mit “The Fall” von Norah Jones zu messen. Selbst die Alben-Cover haben eine unverkennbare Ähnlichkeit.

Was bleibt? “My Cassette Player” ist größtenteils berechbarer also massenkompatibler, funkiger Pop-Jazz streckenweise bis zu Belanglosigkeit weichgespült. Schade, aber dann hol ich doch lieber die Originale raus! Lena ist eine Rampensau – zweifelsfrei – aber dann schau ich halt TV.

Bewertung: 3 von 5

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