25 Fragen zum Bass-Kauf

Gestern ging die Auktion meines Ken Rose Jazzbasses zu Ende, nach sieben Tage. Mit dem Ergebnis bin ich ganz zufrieden, immerhin ging der Bass für mehr weg als ich gezahlt habe. Okay, Bastelarbeiten mal nicht mitgerechnet. Was mich aber wirklich und wahrhaftig verblüfft hat: Keine einzige Frage wurde zum Bass gestellt!

Gut, das Bass richtete sich auch mehr an Anfänger, aber auch die bzw. gerade die sollten doch Interesse an einem gescheiten Instrument haben, oder? So hab ich mir mal ein paar Gedanken gemacht zum Thema:

Was sollte ich beim Bass-Kauf fragen?

Dabei spielt es noch nicht mal einen Rolle, ob der Verkauf via Ebay, Kleinanzeigenteil oder Forum vonstatt geht. Denn:
1) Was nicht verraten wird, ist tendenziell negativ!
2) Was mutwillig falsch beantwortet wird, kann ein Rücktrittsgrund sein!

Allgemeine Fragen

1) Wie alt ist der Bass?
Wird unglaublich gerne verschwiegen, sobald der Bass mehr als zwei/drei Jahre auf dem Buckel hat und noch nicht in die Raritäten-Klasse gehört!

2) Wieviele Besitzer hatte der Bass?
Fast jeder Bass der 3rd oder gar 4th Hand kommt, hat eine Lücke im Lebenslauf, so dass man schlecht sagen kann wie der seinerzeit behandelt wurde. Es gibt aber auch Schätzchen, die von ihrem letzen Besitzer liebvoll restauriert wurden.

3) Wurde am Bass gebastelt oder modifiziert?
Hier kann man wirkliche Überraschungen erleben! Oder wie sagt mein Gitarrenbauer:”Gott Lob, gibt es Ebay-Gurken, so werde ich nie arbeitslos!

4) Wie hoch sind die Versandkosten?
Zwischen 6,90€ und 27€ wegen Überlänge ist fast alles möglich. Mein Tipp: DPD 13€.

5) Wie lautet die Seriennummer?
Eigentlich kein moderner Bass kommt ohne Seriennummer daher. Oftmals kann man direkt beim Hersteller nachfragen. Leider geht nicht immer so komfortable wie bei Warwick.

Korpus

6) Bekomme ich hochauflösende Detailbilder? (Front, Rückseite)
Genau hinschauen ist wichtig und bietet oftmals noch nen Ansatz zum Verhandeln. Die Datei-Größe der Bilder sollte wohl kein Hindernissgrund sein.

7) Zustand der Saiten
Wer alte, speckige Saiten auf dem Bass hat, hat vermutlich den ganzen Bass nicht sonderlich gut gepflegt. Davon ab, dass der Handschweiss, der die Saiten anlaufen lässt auch eine negative Auswirkung auf Lack und Griffbrett hat.

8) Sind die Gurtpins noch fest?
Nicht schlimm, einen lockeren Gurtpin hat man 3 Minuten repariert. Aber gut zu wissen.

9) Gibt es Lackschäden oder Gongs?
Besonders beliebt sind hier: Über den PUs vom Abstützen, vor dem Griffbrett vom Slappen und auf der Rückseite natürlich von der Gürtelschnalle.

10) Ist die Brücke okay?
Gerade unnatürlich weit hinten oder vorne stehende Saitenreiter können ein Indiz auf Probleme mit der Bundreinheit sein. Davon ab, scheuern Plek-Spieler gerne die Lackierung runter.

Griffbrett / Hals

11) Hochauflösende Detailbilder (Griffbrett, Hals von hinten, Seitenansicht)
Auch hier erkennt man gut den Pflegezustand des Basses: Handschweiss auf dem Griffbrett, Lack auf der Rückseite abgespielt oder die Halskrümmung stimmt nicht.

12) Wurde der Hals (professionell) abgerichtet?
Hier kann viel falsch gemacht werden – muss aber natürlich nicht. Fragen kostet nichts und kann durchaus auch ein Positivkriterium sein.

13) Ist der Spanstab okay, Inbus-Köpfe zerdreht?
Eine ausgedrehter Spanstab ist bei einigen Bässen der Overkill und selbst bei den restlichen kann das richtig teuer werden. Ausgedrehte Inbus sind fast genauso schlimm!

14) Sind die Bundstäbchen noch brauchbar?
Gerade weiche Metalle sind schnell runtergespielt. Leider kann man das selbst auf guten Fotos kaum erkennen, hier hilft nur nachfragen. Eine Erneuerung (aller) Bundstäbe ist ein nicht zu verkennender Kostenfaktor und kann sogar die Optik des Griffbrett nachhaltig ruinieren.

Kopfplatte

15) Detailfoto (vorne, hinten)
Hier immer draufachten dass alle Bohrungen und Mechaniken original aussehen. Replacements sind okay, wenn die Bohrung 100% ausgeführt sind und nicht etwa zu groß.

16) Sattel okay oder abgespielt, verschoben?
Verschobene Sättel kann man kleben, abgespielte sind leider kaum zu erkennen.

17) Mechaniken alle in typischer Ausrichtung?
Ein Warwick mit 90° Mechaniken ist schon was ganz seltenes. Gerne reisst aber auch mal die Halteschraube auf der Rückseite aus.

18) Herstellerlogo / Seriennummer sichtbar
Ist schon selten, aber teilweise werden mal Squire mit nem Original-Fender-logo verkauft. Ca. 80% aller Bässe haben ihre Seriennummer irgendwo an der Kopfplatte, sollte natürlich mir Frage 5 übereinstimmen.

Elektronik

19) Buchse okay oder wackelig?
Gerade günstige Bässe und solche mit der Buchse auf der Vorderseite (eben nicht Zarge), sind recht empfindlich was das Thema angeht. Ist in den meisten Fällen aber recht einfach zu reparieren.

20) Sitzen die Potis fest?
Gerade wenn während des Spielens die Knöpfe rumgerissen werden, kann sich schnell die Verschraubung lockern, dann sind schnell die Kabel verdreht oder ab!

21) Elektronik original?
Nachträgliche Umbauten der Elektronik resultieren schnell in ein unzureichende Abschirmung, was schlimmsten Rauschen zur Folge haben kann.

22) Pickups original?
Hier gilt selbiges. Andererseits sind nachträglich Verbesserungen, wie ein Harley Benton mit Bartolini-PUs, auch ne Nummer.

24) Foto des E-Fachs
Eher was für Elektro-Profis, da einige Instrumente schon von Werk aus, sehr chaotische Elektronikfächer haben. Bei modernen Aktiv-Bässen ist eh meistens nicht mehr als eine Platine zu sehen.

Zu guter Letzt

25) Besteht die Möglichkeit den Bass intensiv auszutesten?
Egal was alles gesagt und geschrieben wird: Bits & Byte sind geduldig. Nichts geht über intensives Antesten. Am Besten am eigene Amp und in aller Ruhe. Leider ist dies nicht immer möglich. Ist halt ne Frage von Risikobereitschaft und Investitionshöhe.

Man sieht: Es gibt viel zu Fragen! Klar! Sicher ist es nicht sinnvoll mit dem gesamten Fragenkatalog aufeinmal aufzuwarten, aber die allgemeinen Fragen und die Detailfotos können schon vor einer Menge Überraschungen bewahren.

Ganz nebenbei: Jedem der seinen Bass verkaufen möchte, kann ja einfach mal die Liste durchgehen und schauen, ob schon alle positiven Punkte im eigenen Angebotstext erwähnt sind.

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2 Gedanken zu “25 Fragen zum Bass-Kauf”

  1. Eine Frage, die auch oft bei (günstigeren) neuen Bässen nicht zu beantworten ist: Was für Saiten sind da eigentlich gerade drauf?

    Das ist mir vor allem wichtig, wenn man den Bass antesten kann. Klingt ja super… aber wenn keiner mehr weiß, was für Drähte da drauf sind, dann bekomme ich den Klang womöglich beim Saitenwechsel nie wieder. Mein Harley Basstelton klingt zum Beispiel mit Maruszczyk-Saiten zum Kotzen. Schade, ich spiele letztere nämlich sehr gerne, sie fühlen sich für meine Finger besser an. Also bleiben halt die D’Addarios drauf. Besteht man aber auf bestimmte Saiten, zum Beispiel auf Grund einer Nickel-Allergie, dann wird es spannend: Lässt sich der Verkäufer – egal ob neu oder gebraucht – beknien, die mitgebrachten Saiten zum Testen aufzuziehen und ggf. das Instrument mit denen auf Spielbarkeit einzustellen?

    Bei teureren Bässen ist das für mich fast schon ein KO-Kriterium, wenn unbekannte Saiten aufgezogen sind. Glücklicherweise haben viele Hersteller Hausmarken oder geben an, was für Drähte drauf sind.

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