Kein Kopf, kein Korpus, aber was ein Sound

 

Im Test : Aria SinSonido Fretless

Nach circa 6-7 Jahren abseits der bundlosen Griffbretter, wollte ich mir als Wiedereinstieg einen Fretless kaufen. Mein Limit lag so bei um die 400 €, mehr ist zur Zeit nicht drin gewesen. Nach vielen Recherchen bei Harley Benton, Dean und natürlich Ebay, bin ich zufällig über das Bild eines Aria SinSonido gestossen. Sicherlicher wäre die Optik für viele ein Grund gewesen sich das Teil garnicht erst anzuhören, faszinierte mich aber gerade sowie die Eigenart des Travelbasses, halt sehr transportabel zu sein und nebenbei noch fürs Home-Training optimal zu sein, mehr aber im eigentlichen Testbericht.

Die Idee des Reise-Instruments entstammt der amerikanischen Firma SoloEtte, welche für sich in Anspruch nicht die am weistens gereiste Gitarre der Welt produziert zu haben. Was mit 345.000.000 km wohl auch von keiner Fender zu toppen ist, Kunststück bei zweieinhalb Jahren im Orbit ! Für Europa und Asien hat ARIA die Lizenzrechte diese Instrumente für den Massenmarkt zu vertreiben (SoloEtte produziert nur auf Anfrage !) und im Gegensatz zum Lizenzgeber haben diese auch Bässe mit aufgenommen.

Hier aber nun mein Bericht :

Produkt : Aria SinSonido AS 690B-FL
Preis : NEU 385 € bei Ebay mit 14 Tage Rückgaberecht !
UVP : ? €
Herkunftsland : China
Saiten : E-A-D-G

 

Offizielle Produktbeschreibung :

Korpus Mahagoni, Hals Ahorn, Griffbrett Palisander, Mensur 86 cm, Flame Aluminium in Soft Rubber Tube, Pickups: SoloEtte Original, made in USA, Controls: 1 x Volume, 1 x Tone, Black Hardware, Finish MH = Mahagoni, incl. Tasche & Kopfhörer

 

Erster Eindruck:

Nachdem das Paket angekommen war, zog ich erstmal die geräumige Tasche aus der Pappe. Okay, aber wo war der Bass ? Nein schon klar, natürlich in der Tasche, auch wenn man dies anhand des Gewichts nicht vermuten sollte, denn mit gerade mal 1,9 kg Kampfgewicht, ist der Bass in der Federgewichtsklasse angesiedelt.

Desweiteren enthielt die Tasche, welche übrigends genauso wie die Rahmenteile und die Kopfhörer zum normalen Lieferumfang gehören, noch drei Rahmenteile aus Alu mit Moosgummi überzogen und eine zusammenlegbaren Kopfhörer. Hier wurde wirklich auf optimalen Schutz des Instruments bei möglichst geringen Ausmassen geachten, nett ! Die Tasche hat auf der Rückseite einen einfachen Schultergurt , sodass das es nicht möglich ist den Bass wie einen Rucksack zu tragen, bei dem Gewicht aber auch nicht nötig.

Lassen wir die Tasche Tasche sein und widmen uns dem wichtigen Teil des Pakets, dem BASS :

Der Bass ist aus sehr schön gemasertem Mahagoniholz mit aufgeschrauben Hals gebaut. Der Korpus besteht aus einem Stück, was bei dem bisschen wohl auch nicht so schwer war. Die Headless-Konstruktion ist allerdings deutlich von gängigen Steinway / Status Konstruktion zu unterscheiden, dadurch, dass am Korpus normale Stimmmechaniken verbaut wurden. Dies ist ermöglicht die ungewöhnliche SoloEtte-Brücke und die optisch auffälligen Saitenwirbel, die der klassischen Konzertgitarre abgeschaut sind.

Erste Gehversuche ohne Rahmen verwunderten schon ! Mit dem mitgelieferten Adapter kann der Kopfhörer ohne Verstärker direkt in die Output-Buchse des Bass gesteckt werden und wird vom eingebauten Vorverstärker mit genug Pegel versorgt um selbst in einer lauteren Umgebung nicht unterzugehen.

Der Bass ist perfekt ausbalaciert ! Mit einem einfachen Gurt, verändert der Aria nicht die Lage egal ob man eine Upright-ähnliche Haltung oder es doch eher waagerecht bevorzugt. Ohne Kopf auch keine Kopflastigkeit Die Armhaltung ist da schon eher etwas schwierig ! Denn wie viele Bassisten bin ich es gewohnt meinen Unterarm auf dem Korpus abzulegen um dann locker aus dem Handgelenk zu spielen. Das klappt so natürlich nicht ! Zwei Lösungsmöglichkeiten : entweder man baut den oberen Rahmen an oder man hält das Gewicht des Arms mit dem Daumen, das kann auf alles Fälle auf lange Dauer und ohne die entsprechende Gewöhnung anstrengend werden. Bleibt die Frage : Bequem oder optisch ausgefallen ? Sei dazu gesagt, dass selbst wenn der Rahmen angebaut es, fällt dieser durch das mattschwarze Moosgummi kaum auf, wenn man nicht gerade weiss trägt.

In vielen Testberichten wurde sich über das Fehlen einer Daumenstütze beklagt, was ich allerdings nicht vermisst habe, da man den Daumen gut auf dem oberen Korpus ablegen kann, hier hilft mir aber vielleicht meine Gewöhnung an breitere Saitenabstände vom 6-Saiter !

Die Verarbeitung ist tadellos, wie man es von einem Instrument dieser Preisklasse wohl schon erwarten kann. Keine Ecken oder Kanten, die Fretlines sind sauber eingepasst und die gesamte Mechnik und Elektrik ist absolut klapperfrei !

 

Der Sound:

Durch die kleinen Kopfhörer hab ich nicht viel erwartet, trotzdem kommt schon ein druckvoller singenden Sound rüber. Der akkustische Charakter ist zwar deutlich zu hören, aber nicht erdrückend. Wir haben es halt nicht mit einem Kontrabass oder Upright zu tun. In bestimmten Lagen oder gerade bei mehrtonalen Spiel zeigte der Bass aber ein unangenehmens Knarren und Zerren. Nach Test mit einem qualitativ wesentlich besserem Kopfhörer und natürlich am Amp war dies aber nur eine Unzulänglichkeit des mitgelieferten Kopfhörers !

Der SinSonido (span. “Ohne Ton”) hat eine breite Palette an Klangmöglichkeiten zu Verfügung. Vom knackigen Rocksound bis zum klagenden Legato ist alles drin. Ab dem 12. Bund kann man mit dem Daumen sogar Sounds ähnlich Sitar oder Saz zaubern, wunderschön ! Die Grundton ist naturbedingt natürlich weicher und weniger metallisch als beim Fretted. Aber trotzdem sehen ich keinen Grund nicht auch schnelle Achtel-Basslinien mit diesem Instrument zu spielen. Er klingt wie ein Bass klingen sollen schön tief ohne dabei zu mulmen. Ich liefere bei Gelegenheit dann gerne mal Soundbespiele mit. Ich werde sowohl in meiner Rockcombo als auch im Jazz/Fusion-Projekt komplett auf Fretless umsteigen.

Die Fretlines erleichtern es dem Umsteiger natürlich schon ganz ordentlich, aber man neigt dann natürlich auch leicht dazu die Intonationsübungen zu vernachlässigen. Über die Probleme der Optik will ich hier nicht weiter referieren. Die Hilfspunkte (3. 5. 7. Bund) sind wie beim Fretted gesetzt also in der Mitte zwischen den Bundstäben, was natürlich beim Fretless keinen Sinn macht aber wohl auch technischen Gründen so hin kam.

So mehrere Proben (Jazz & Rock, nicht Jazz-Rock) hab ich nun hinter mich gebracht, hier noch mal ganz kurz einige Anmerkungen :

Erstaunlicherweise, greift die Höhenblende sehr extrem in die tonale Entwicklung ein, da der Poti keine Mittelrasterung hat ist es auch recht schwer diese auf “neutral” einzustellen! Deshalb hab ich es mir angewöhnt meine Amp (Mark Bass F1) möglich neutral einzustellen und den Variation über den Bass zu steuern, was das genaue Gegenteil zu meinem anderen Bass darstellt.

Aus irgendeinem Grund neigt man (ICH) dazu den Bass in einer recht senkrechten Haltung zu spielen wenn ich stehe (siehe Bild). Die Ursache mag darin liegen, dass man als Anfänger einfach das Griffbrett besser im Auge behalten will. Hieraus resultiert natürlich, dass der linke Arm bei einer längeren Probe schon schwer wird !

Negativste Überraschung war sicherlich meine erste Rockprobe. Wenn es etwas härter oder sage ich mal dynamischer zur Sache geht, und man so wie ich die Angewohnheit hat, die Saiten abzuschlagen, also mit einer sehr kraftvollen Bewegung abzustoppen, dann hat der Bass gerade auf der A-Saiten die nervige und speaker-belastende Angewohnheit sehr laute Knack- oder Knallgeräusche zu produzieren.

Nach einer Eingewöhnungsphase von ca. einer Probe hat man sich aber damit arrangiert und stoppt wesentlich sachter ab, damit entfällt auch das Knallen, welches vermutlich durch die Bridgekonstruktion verursacht wird.

Nicht destotrotz kommt der Sound auch im Rock sehr gut rüber, und ist bei sauberem Spielen von percussiven Bund-Bass kaum zu unterscheiden.

 

Ich hoffe mal einen anderen Bass vorgestellt zu haben.

Euer BassBlogger

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6 Gedanken zu “Kein Kopf, kein Korpus, aber was ein Sound”

  1. Hm, sieht auf jeden Fall äußerst interessant aus. Sowohl mit als auch ohne Rahmen. So, wie der Rahmen konstruiert sit, hat man wohl auch eher weniger Probleme, in den hohen Lagen zu greifen?

    Dass normale Mechaniken verbaut sind, sit allerdings definitiv praktisch. Ich kenne zwar nur einen Headless-Gitarristen und keinen -Bassisten, aber der Gitarrist ist schon am fluchen wegen der Saiten, die er braucht – hier kann man dann ja auch Normale Saiten verwenden?

    Ach ja, und tolles Blog (oder toller Blog?) – werd den im Auge behalten ;)

  2. Heisst glaube : Das Blog (von Web + Log).

    Jupp, da kommen ganz normale Saiten drauf, obwohl ich bei der ersten Bestellung prompt Steinberg-Saiten bekommen hab, da Simone, meine lokale Musik-Dealerin, mir wohl nicht glauben wollte.

    Der Rahmen besteht ja aus drei Teilen, kannst ja nur die verbauen, die Dir nicht im Wege stehen. Aber wirklich cool ist eigentlich nur OHNE :)

  3. Hi,

    klasse Bericht den ich einfach nur bestätigen kann. Mitunter wird man mit dem Sinsonido bzw.mit der Optik ein wenig blächelt, dass ändert sich sobald die ersten Töne aus dem Verstärker kommen. Das kleine Teil klingt groß, richtig groß ;-)
    Ich habe meinen jetzt seit ca. 2 Jahren und nutze ihn immer als Reisebass auf dem Motorrad beim Campingurlaub, einfach die Tasche quer hinten über die Sitzbank geschnallt, los gehts! Die Kopfhörer sind einfach nur praktisch, abends schön mit ner Flasche Rotwein und seinem Bass vor’m Zelt den Sonnenuntergang anschauen und ne geile Bassline dazu spielen, stört keinen und macht happy!
    Meine nächste Anschaffung zu den Bass werden wohl ein Satz Flat’s …D’Addario Cromes oder Thomastik Jazzflats sein, hast du vielleicht schon Erfahrungen mit Flatwounds auf dem Aria??

    Gruß Khayman

  4. Du, das würde ich ja gerne machen, aber ich habe den Bass drei oder vier Jahren gekauft, da weiss ich leider nicht mehr wie der Verkäufer hiess.

    Ich hab mal kurz in die Google-Product-Search (Ex-Froogle) geschaut, da findet man den Bass ab 399 €.
    Schau doch selber mal

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